St. Barbaras Segen

Zwei Jahrzehnte später hätte um Haaresbreite das traurige Schicksal des Vaters auch dessen ältesten Sohn, Ernst, ereilt.

Von 1940 bis 1947 betrieb man im Bächental auch den Untertagebau: Zwei Stollen mit etlichen Seitenschächten hatte man angeschlagen – eine trotz sorgfältigen Abpölzens sowieso gefährliche Abbaumethode auf Grund des heimtückischen Schichtgesteins. Wieder einmal sollte der Ernst im Stollen für Ölschiefer-Nachschub sorgen. Er schnappte sich den Handpressluftbohrer, der durch eine 140 Meter lange Rohrleitung mit dem Kompressor drunten in der Brennerei verbunden war und bereitete die acht Löcher für die Sprengladung vor.

 

Sorgfältig verlegte er dann die Pulver-Zündschnur, wie er es schon unzählige Male gemacht hatte, setzte diese mit einem Sturmfeuerzeug in Brand und brachte sich draußen, weit genug vom Stolleneingang entfernt, in Sicherheit. Ein „Schuss“ nach dem andern krachte wie gewohnt planmäßig. Doch nach Nummer Sieben auf einmal „Funkstille“. Ernst wartete noch ein Weilchen, eilte dann aber in den Stollen, um nach dem Rechten zu sehen. Plötzlich eine höllische Detonation. Von der Druckwelle und von Gesteinsteilen getroffen, torkelte er verzweifelt ins Freie. „I bin blind, i bin blind!“ brüllte er vor Schmerz.

Doch als die anderen Brüder herbeieilten, konnten sie voll Erleichterung feststellen, dass ein Auge heil geblieben war, während das andere durch Steinsplitter schlimm verletzt wurde. Nachdem man ihn notdürftig verbunden hatte, rannte der Ernst, um keine Zeit zu verlieren, zu Fuß hinauf aufs Gröbner Joch, da niemand in der Bergstation war, der die Seilbahn bedienen konnte. Da blieb keine Zeit für Selbstvorwürfe, ob er sich vielleicht beim „Schiaß´n“ verzählt, oder ob die Zündschnur versagt habe. Blutverschmiert brachte man ihn schließlich in das Krankenhaus in Innsbruck, wo ihm tüchtige Ärzte das Augenlicht retten konnten.

Figur der Heiligen Barbara, Schutzpatronin der Bergleute

Posted in Gschichten.